Karawane

Karawane ist mehr als AutomobilistInnen ärgern

In Winterthur ist nach einem Brunch auf den Ruinen des illegal abgebrochenen Volkshauses die Velokaravane .hors controle / ausser Kontrolle. aufgebrochen mit Fahrziel Genf.

Von Traktoren und Lastwägen begleitet radelten ca. 50 Leute nach Zürich, wo sich am späten Nachmittag nochmals so viele VelofahreInnen anschlossen um eine Velodemo durch die Innenstadt zu machen. Mit Flugblättern wurden die PassantInnen über die Hintergründe der Karawane und die Situation in Zürich informiert (Zunehmende Repression zB. Wegweisungsgesetz, Räumung und Abbruch besetzter Häuser für Brachland, usw.). Zum Abschluss der Velodemo wurde kurzerhand der Innenhof der Zeughäuser besetzt wo eine fette Party gefeiert wurde. Das an einem Baugerüst aufgehängte Riesentransparent mit der Aufschrifft «kei Bulle kei Knast -- Kaserne für eus!» sties auf breite Zustimmung. Am folgenden Morgen zog die Karawane Richtung Bremgarten weiter.

Winti bis Luzern

Am Samstag Morgen startete in Winti eine Karawane, mit Velos, Traktor, Last- und Bauwagen. Die Route führte über Zureich, Bremgarten bis Luzern. Heut Nacht befindet sich die Karawane in Littau und feiert das 9-jährge bestehen des Hammers..?? und es geht weiter! Fahr doch auch mit!

Am Abend des Freitag des 13. besammelten sich in der besetzten Sidi in Wintortour die ersten Karawane-aktivistInnen, um am näxten Morgen die diesjährige Velokarawane zu starten. Dies geschah mit einem Frühstück auf dem Brachland, wo vormals das Volkshaus gestanden hatte. Eigentlich ist sowas nicht erlaubt, doch der Abbruch des VOLKShauses war ja auch nicht erlaubt, deshalb wurden wir von der Staatsgewalt auch schön in Ruhe gelassen, alles andere hätte wohl nur unnötiges Aufsehen verursacht. Und eine Karawane zieht ja immer irgendwann weiter, sonst wärs ja keine Karawane...

So gings nach einer Altstadtumrundung schnurstracks weiter Richtung Oerlikon-Zureich, wo wir auf dem Wagenplatz Plagenwatz mit einem Brunch herzlich empfangen wurden. Bis vor kurzem hatte der Plagenwatz zwei besetzte Häuschen in unmittelbarer Nachbarschaft, wovon eins seit Ende April nicht mehr besetzt ist, und das andere Ende Mai nicht mehr besetzt sein wird. (Besetzt heisst in diesen zwei Fällen, dass sie mal besetzt wurden und dann Verträge bekamen, nur um es genau zu nehmen...) Als es zu regnen begann, fuhren wir weiter, nicht ohne vorher beim Brachland an der Schärenmoosstr. vorbeizuschauen, wo bis anfangs Februar das sog. Neo-Exil zu finden war. Nur ein Anschauungsbeispiel von vielen was "Abbruch auf Vorrat" konkret heisst. Es ist eine Schande.

Bei der Gassenküche stiessen weitere VelofahrerInnen dazu und nun folgte eine Velokarawane-Critical-Mass-Demo durch die gesamte Innenstadt. Hier waren ca. 100 Leute unterwegs, verteilten Flugblätter, liessen laut Musik laufen und behinderten den Verkehr. Die Stapo-Cops schien das nicht zu interessieren, genauso wenig wie das, was den restlichen Abend noch geschah. Vielleicht waren sie von der vorhergehenden Nacht erschöpft, wo sie an der Elisabethenstr. gegen Steine- und Flaschenwerfende und sogar Messerstechende HausbesetzerInnen vorgegangen waren (anstrengender war hier sicher das Erfinden des haarsträubenden Pressecommuniques).

Nachdem wir noch kurz den nun fast fertigen Saubau des Andreas Eberle an der Badenerstr.97 (über zwei Jahre die Adresse des legendären Egocitys) bestaunten, fuhren wir einfach in den Zeughausinnenhof bei der Kaserne und richteten uns ein. Bar, Vokü natürlich, ein Feuerchen und Party, richtig mit einem lauten Soundsystem und Top-DJs bis nachts um zwei. Eine Wand wurde ein bisschen verschmiert und ein grosses Transpi aufgehängt mit der Inschrift: "Kei Bulle, Kein Knascht - Kaserne für eus!" Es wurde gleich vor Ort wild campiert, und am nächsten Tag schön ausgeschlafen weitergefahren.

Die Destination hiess Bremgarten und die Karawane war nun schon richtig gross, mit etwa 80 Leuten oder mehr unterwegs. Im Dorfzentrum von Rudolfstetten blieb die ganze Meute allerdings etwa 3 Stunden stecken, wegen einem peinlichen Traktorproblemchen. Zwei Kapos kamen mal nachfragen, was denn los sei und beobachteten uns etwa zwei Stunden bis es auch ihnen zu blöd wurde. Und sonst fanden es nur die Dorfkinder cool, dass wir dort waren. Später liessen wir den Pannentraktor und ein paar Leute zurück und dann getrauten sich noch ein paar Kurzhaarige in Sichtweite und schwenkten ein Schweizerfähnli. Peinliche, arme Kreaturen, werden dann ein anderes mal gehauen...

Schliesslich schafften wir es alle über den Mutschellen und bekamen von den lokalen AktivistInnen ein schönes Plätzli an der Reuss zugewiesen. Nachtlager für die Fahrzeuge, während im Kuzeb die grosse Sause stieg. Es spielten drei Bänds und es gab Musik die ganze Nacht. Aktionsmässig lief gar nix, dafür sahen wir einmal den bekannten Pfingstmarkt im Bremgartner Städtchen. Und dann hätten wir um ein uhr weiterfahren wollen, doch wir warteten bis es auch angefing zu regnen und fuhren im Dauerregen nach Luzern. Die Autokolonnen hinter uns waren lang, und als wir in einem Dörfchen stoppten um mal ein paar durchzulassen, entdeckten wir ein leeres Häuschen, das natürlich kurzerhand und sinnloserweise besetzt wurde. Als dann ein Typ, der behauptete Besitzer der Bruchbude zu sein, den Bullen telefonierte, fuhren wir einfach weiter.

In Luzern standen für den Abend Konzerte im Kulturzentrum Sedel auf dem Programm, und wir waren alle froh, als wir endlich da ankamen, durchnässt bis auf die Unterhosen und hungrig wie die Tiere.

Am Tag darauf, also am Dienstag, gings weiter mit Aktionstag. Zuerst aber Morgenessen auf der Wagenburg Luzern und danach gemeinsam in die Stadt fahren, was einfach ein Verkehrschaos verursacht und deshalb lustig ist. Am See wurde zuerst ein Checkpoint eingerichtet und ein Brunch gegessen. Wer Bock hatte malte ein bisschen in der Gegend rum, mit Kreide und mit Dose, was aber der Polizeichef nicht so glatt fand. Dann "mussten" wir uns in Gruppen auf die Stadt verteilen, Ueberwachungskameras suchen und mit Abziehbilchen markieren. Und zum Abschluss gabs ein Strassentheater zum Thema SIP, bei dem sich alle beteiligen konnten. Unsere Gerüche kamen im Gegensatz zum Inhalt bei all den Touris recht gut rüber. Aber es war für beide Seiten, ZuschauerInnen und uns, recht spassig. Bei der Gelegenheit wurde auch ein Päärli Jungzivis enttarnt und verwirrt, die zwei Gestalten durften sich nicht mal zurückziehen, haben ja auch bloss ein paar Spritzer Wasser abgekriegt.

Dann fuhren wir gemeinsam weiter, und wir können ja gar nichts dafür, wenn's immer gleich ne Velodemo wird, egal wo wir hingehen, wir sind einfach so viele.

Und da der Hammer in Littau heute sein 9jähriges feiern konnte, sind wir gleich auch dahin gefahren! Und sind noch dort, bis jetzt jedenfalls...

Tja, soviel mal zu den ersten paar Tagen der Karawane, sie dauert noch bis Ende Mai und es darf sich anschliessen wer will. Alle nötigen Informationen dazu sollte es eigentlich im nächsten Squat oder auf dem nächsten Wagenplatz geben...

Der Weg von Lozern bis Lozàne...

Nach einer gemütlich langen Nacht im Hammer mit Essen, Filmen, Bar und Feuer fuhren wir am nächsten Morgen bei Regen und Kälte weiter nach Langenthal. In jedem Dorf eskortierte uns ein neues Bullenauto, doch die konnten uns nicht stören.

Im Lakuz in Langenthal wurden mit palestinesischem Essen empfangen. Danach fand ein Vortrag über die Geschichte von Palästina statt, was natürlich eine rege Diskusssion auslöste.

Am nächsten Tag war Sonne und ein mega Gewussel bei den teilnehmenden Menschis. Wir strotzten vor Energie und waren drauf und dran Langenthal um den Verstand zu bringen. Nebenbei gingen wir ins Stadtzentrum und führten mehrere Strassentheater zum staatlichen Rassismus auf, untermalt von lokaler Strassenmusik (die haben gfegt, nämlig). Die Bevölkerung (= eine Schlafftablatte) nahm es zur Kenntnis. Über Nacht hinterliessen wir ihnen Anti-PnoS Plakate und weitere Kreative ergüsse. Euch die Tracht(prügel), uns die Nacht!

Beim besten Wetter überhaupt (leicht säuselnder Rückenwind Sonnenschein, Sand und kein Meer...), fuhren wir nach Bern, mit einem Zwischenhalt in Burgdorf, danke fürs feine Zmittag!

In Bern starteten wir einen Postenlauf. Da gings darum auf dem Bundesplatz sich zu waschen, im Bonzenhotel zu pissen (und Tanzen), Müll vor dem Rathaus zu deponieren, verschiedene Transpis aufzuhängen, im Bahnhof ein wenig unkontroliert mit einem Gumpiböllen die hektische Atmosphäre aufbrechen, auf der Strasse sich ungezähmt zu entfalten, Blochers Gasse mit .Kein Mensch ist illegal. Kleber, (die für die Demo am 18.7. in Bern aufrufen) zu verschönern und beobachtet von Zivis, auf die Baublachen zu taggen, die Kirche blieb ebenfalls nicht verschont!Am Abend besetzten wir den Platz wo mal das Zaffaraya stand, zwar das Gaswerkareal an der Aare. Es gab Vokü, Essen, Zelte bauen und Drum.n Bass, trotz Regen (wir sind schon sau schön, fascht scho kitschig).

Am nächsten Morgen auf unserem Weg nach Biel, anfänglich von Regen begleitet, dann kam die Sonne, blieb die Pozilei ziemlich dezent im Hintergrund. In Biel erwarteten uns einige Leute und wir starteten eine Velodemo durch die Stadt, welche irgendwo am Bielersee endete (neben der Expo-Einöde). Dort erwartete uns bereits eine kleine Bar von der Schrottbar mit kühlen

Getränken. Alle ziemlich geschafft, die einen hängen, die anderen baden im kühlen See, bis wir schon bald wieder lecker Essen von der Bieler Gassenküche offeriert bekamen. Der Abend wurde von zwei Konzerten und viel Alkohol begleitet.

Den ganzen Weg nach Yverdon leiteten und folgten uns die Bullen und klemmten den Verkehr ab (was wir bis anhin sehr gut selbst meisterten!). In Neuchatel am See wurde uns von den lokal AktivistInnen ein Brunch offeriert. Von Neuchatel bis Yverdon zeigten sich die Bullen von ihrer hysterischen Seite. Sie hatten wohl die Vermutung wir planen einen kollektiven Selbstmord auf der Autobahn... Wobei wir eher durch rückwärts rasende Bullen gefährdet wurden welche uns vor einem verwirrten nachpupertierenden Haufen testosteron gesteuerten Prügelknaben beschützen wollten.

Wenige Minuten von der Stadt Yverdon entfernt, hat eine kleinere Gruppe ein altes Haus mit Umschwung namens Bergerie besetzt, wo wir uns einquartierten. Es gab lecker vegane Vokü, Filme, und 2 Konzerte. die nicht im üblichen sinn getrennten WCs (nicht männlein-weiblein sondern pipi-caca) sorgten für die bewegung zwischendurch. Am nächsten Tag fuhr die Karawane zum Regierunsgebäude, um den Stadträten eine Petition für den Erhalt der Bergerie, (wozu u.a. ca. 1500 Unterschriften gesammelt wurden) zu uebergeben. Mit Dudelsackmusik und einem riesen Buffet verweilten wir einige Zeit vor dem Rathaus.

Immer noch unterwegs nach neuen Ufern.

Karawane in Genf: Repression nimmt kein Ende

Razzia auf Wagenplatz - Gefangene wurden Haftrichter vorgeführt - Solikundgebung vor Justizgebäude - Gefangene kommen heute 17 Uhr frei - bei Solikundgebung vier Leute verhaftet - jetzt wieder frei - Bullen stehen vor besetztem Haus, kontrollieren Leute.

Story

Repression und kein Ende. Seit die Karawane in Genf angekommen ist, dreht die Polizei durch.

Donnerstag, 26.5

Am Donnerstag Abend bei einer Solikundgebung für einen jetzt in Ausschaffungshaft sitzenden Flüchtling, wurden die Menschen der Demo von der Polizei ohne Grund angegriffen und mehrere Menschen geschlagen. 4 Personen wurden verhaftet, wovon zwei innert einem Tag freikamen.

Für die anderen zwei war heute (nach 4 Tagen!!! Knast) Haftprüfungstermin.

Das war der Anfang einer Repressionsmaschinerie, die es seit dem G8 vor zwei Jahren nicht mehr gegeben hat.

Freitag, 27.5

Am Freitag morgen wurde das Squat in Coppet, wo die Karawane zu der Zeit stand, gerazzt. Alle Menschen wurden konntrolliert, der Vorwand war ein beschädigtes Auto am Tag zuvor. Ein Autofahrer überholte rücksichtslos die Karawane, und fuhr dabei einen Fahradfahrer um. Die Reaktion war eindeutig, das Auto musste mit zwei kapputten Scheiben und diversen Beulen in die Werkstatt.

Bei der Razzia wurden zwei Personen verhaftet, kamen aber nach ca. 2 Stunden frei.

Als sich am Abend die Karawane nach Genf weiterbewegte, wurden die Leute mehrmals von den Bullen gestoppt und mit Auflagen belegt: Benützung nur einer Fahrspur, es durften nur zwei Wägen statt drei in die Stadt. Die Critical Mass im Anschluss verlief friedlich. Als High-Lite und sogleich Ende der Velodemo wurde ein Haus (wieder)besetzt welches schon mehrere male besetzt und wieder geräumt wurde. Dies nahmen die Bullen zum Anlass, damit anzufangen, was die näxten Tage Normalität wurde. Sie umstellten das Haus, und kontrollierten alle Personen, die rein oder raus wollten.

Samstag 28.5

Die Reclaim the Streets am nächsten Tag wurde von den Bullen unterbunden, indem sie alles kontrollierte, was nach "links" oder ähnlich aussah. Um das neue Squat wurden Leute überprüft, von Kopf bis Fuss abgefilmt, ein Karawane-Lastwagen wurde durchsucht, Sachen beschlagnahmt.

Am Abend wurde das Haus aufgegeben, die Leute verstreuten sich auf andere Häuser, was zur Folge hatte, dass die Bullen nun diese Häuser fast dauerüberwachten.

Sonntag, 29.5

Die Sauvage am Sonntag wurde zuerst von den Bullen gestoppt, nach Verhandlungen konnte sie dennoch stattfinden, aber nur bis 24 Uhr, auf der Hinfahrt gab es keine Kontrollen, nachher durften aber nur gruppen mit maximal 5 Leute ohne Kontrolle zur oder von der Sauvage weg.

Auch diese Nacht wurden die Häuser dauerüberwacht.

Montag, 30.5

Am Morgen dann Razzia auf dem einen Wagenplatz, es wurde nach dem "Deutsch-Schweizer/innen-Blackblock" gesucht, der laut Presse-Berichten mit 100 Leuten angereist war, um wie am G8 Genf in Schutt und Asche zu legen (Haha).

Am Nachmittag war dann die Solikundgebung vor dem Justiz-Palast für die immer noch Gefangenen vom Donnerstag. Erstaunlicherweise kamen die Leute ohne Kontrolle vor das Gebäude, konnten ein Transpi aufhängen und ca 2 Stunden Parolen rufen. Als klar war, dass die Gefangenen in ein paar Stunden freikamen, löste sich die Demo auf. Kurz darauf wurden vier Menschen von der Bullerei weggehaftet, und sie begann wieder mit ihrem Überwachungsspiel. Vor einem Squat wurden Menschen verfolgt, die Häuser werden nun wieder überwacht. Die Neu-Verhafteten sind inzwischen wiedr frei, ebenfalls wurde gerade bekannt, dass die zwei Inhaftierten vom Donnerstag ebenfalls draussen sind.

No Justice, no Peace - Fuck the Police A.C.A.B.